Wie weiter mit dem Netzwerk Ehrenamtliche Geschichtsarbeit?

Es wurde gesagt und geschrieben, was gesagt und geschrieben werden konnte bzw. musste. Es wurde getan, was getan werden konnte und musste. Es wurden Politik, Verwaltung und den offiziell im Land Brandenburg für Geschichtsforschung und -präsentation zuständigen Einrichtungen und Vereinen Angebote unterbreitet und um Hilfe sowie finanzielle Unterstützung gebeten. Die Angebote wurden durchweg ignoriert, Hilfe und finanzielle Unterstützung kategorisch versagt.
Damit sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft, dem 2004 ins Leben gerufenen "Netzwerk Ehrenamtliche Geschichtsarbeit Land Brandenburg" eine Zukunft als vom Land angenommenes, anerkanntes und gefördertes Produkt zu sichern.

Das "Netzwerk Ehrenamtliche Geschichtsarbeit Land Brandenburg" wurde ab 2004 als reine private Initiative einer privaten Person aufgebaut. Neben einer detaillierten Datenbank entstanden Internetpräsentationen, die Teile des Netzwerkes visualisierten und die "Geschichtslandschaft Brandenburg" national und international bekannt machten.
Wichtigstes Ergebnis war die Zusammenführung der bislang weitgehend allein arbeitenden Ortschronistinnen und Ortschronisten sowie Heimat- und Geschichtsvereine auf Landesebene. Die "Potsdamer Geschichtsbörse" und etwas später der "Tag der brandenburgischen Orts- und Landesgeschichte" waren die Veranstaltungen, auf der sich die im Netzwerk zusammengeführten Personen und Vereine begegnen konnten. Das funktionierte bis 2019.

Das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) stellte für die "Potsdamer Geschichtsbörse" die Räume, das Mobiliar und die Technik zur Verfügung. Das Brandenburgische Landeshauptarchiv und die Brandenburgische Historische Kommission sicherten den fachlichen Inhalt des jeweiligen "Tages der brandenburgischen Orts- und Landesgeschichte" ab. Sie erhielten finanzielle Unterstützung vom Land. Das "Netzwerk Ehrenamtliche Geschichtsarbeit Land Brandenburg" wurde bei der Vergabe der öffentlichen Mittel nicht berücksichtigt. HBPG, Brandenburgisches Landeshauptarchiv und Brandenburgische Historische Kommission sahen zu keiner Zeit eine Veranlassung, daran etwas zu ändern. So wie sie sich auch nie für die Arbeit mit der Basis interessierten. Es sei denn, man konnte auf Veranstaltungen auftreten, wofür man vom Land (für sich) zusätzliches Geld erhielt.

Wie es bereits Günter de Bruyn in seiner 1978 veröffentlichten Satire "Märkische Forschungen" beschrieb, ist die Arbeit mit Laienhistorikern für die Fachwissenschaftler ein Graus. Es sei denn, sie können diese für sich be- oder ausnutzen. Diese Erfahrung mussten ebenfalls die sich im Netzwerk engagierenden Personen und Vereine machen. So ist u. a. bis heute nicht klar, ob die jährlich verfassten Abschlussberichte zu den vorstehend genannten Veranstaltungen überhaupt gelesen bzw. weitergeleitet wurden. Reaktionen auf den darin immer wiederholten Wunsch, das Netzwerk zu festigen, gab es jedenfalls nie.

In seiner Blütezeit erfasste das "Netzwerk Ehrenamtliche Geschichtsarbeit Land Brandenburg" rund 9.000 Personen. Sie alle wurden von einer einzigen Person betreut, die für ihre Tätigkeit als Koordinator kein Geld erhielt und alle mit dieser umfangreichen Tätigkeit verbundenen Ausgaben privat bestreiten musste. Im Land Sachsen-Anhalt gab und gibt es für diese Arbeit einen hoch dotierten sowie personell gut ausgestatteten Landesheimatbund und in Sachsen ein mit Mitteln in ähnlicher Größenordnung unterhaltenes wissenschaftliches Institut.

Ohne die 2004 ergriffene Initiative hätte es weder das "Netzwerk Ehrenamtliche Geschichtsarbeit" noch die "Potsdamer Geschichtsbörse" gegeben. Den "Tag der brandenburgischen Orts- und Landesgeschichte" auch nicht mit der Zahl und Vielfalt der Teilnehmer.

Klar war bereits sehr früh, dass das Netzwerk und die Potsdamer Geschichtsbörse nicht gewollt waren. Für die vom Land finanziell ausgehaltenen Institutionen und Landesvereine war beides eine Konkurrenz. Und wurde ganz bewusst totgeschwiegen bzw. ignoriert, wie z. B. von dem sehr hoch dotierten "Kulturland Brandenburg e.V.". Daran ändert auch nichts, dass die damalige Kulturland-Geschäftsführerin und nunmehrige Abteilungsleiterin Kultur im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur jedes Jahr die "Potsdamer Geschichtsbörse" als Plattform benutzte, um - in sehr oft zeitlich ausufernden Redebeiträgen - ihr jeweiliges Kulturland-Thema zu präsentieren. Für das Netzwerk und die Geschichtsbörse bot sie in ihren Veranstaltungen diese Möglichkeit nicht.

Die vorstehend beschriebene Situation zeigt, dass ein von der Basis her und durch diese organisiertes Netzwerk sowie von dem Netzwerk eigenständig organisierte Veranstaltungen zu keiner Zeit eine Chance haben und hatten.

Die seit 2019 unternommenen, aber nicht mit Erfolg belohnten Bemühungen, der Ehrenamtlichen Geschichtsarbeit die offizielle Anerkennung zu verschaffen und das Netzwerk zu bewahren, sind die logische Konsequenz einer vom Land Brandenburg, von der Politik und der Landesverwaltung sowie den Landeseinrichtungen seit 1990 vertretenen Einstellung.

Alle zum Thema "Ehrenamtliche Geschichtsarbeit im Land Brandenburg" verfassten Beitrage sind in der Rubrik "Archiv" bzw. unter dem Tab "Ehrenamtliche Geschichtsarbeit" zu finden.

 

Hinweis:
Da die 2004/05 aufgebaute Internetplattform "Geschichtslandschaft Brandenburg" offensichtlich nicht mehr benötigt wird und zur Verhinderung von durch das MWFK inspirierter Aneignung von fremdem geistigem Eigentum durch Einrichtungen und Vereine, die von ihm finanziert werden, wurde die Adresse abgeschaltet.
Es ist schade, dass zu dieser Maßnahme gegriffen werden musste, aber das unfreundliche Verhalten des MWFK gegenüber der "Ehrenamtlichen Geschichtsarbeit Land Brandenburg" lässt keine andere Möglichkeit zu.